Baumharze und ihre Verwendung

Seit Jahrtausenden wird Baumharz sowohl als Räucherwerk als auch als Heilmittel verwendet. Im Volksmund spricht man daher auch vom „Gold des Waldes“. Die meisten werden sofort an die biblischen Harze wie Weihrauch und Myrrhe denken.

Doch auch die Wirkstoffe einheimischer Baumharze können zur Linderung unterschiedlicher Leiden eingesetzt werden. Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten existieren beispielsweise für das Harz der Fichte. Über Verwendung und Geschichte von Baumharz möchte dieser Beitrag einen Überblick geben.

Bild: Baumharze und ätherisches Öl

Was ist Baumharz und wozu dient es?

Biologisch gesehen ist Baumharz ein Stoffwechselprodukt, welches sich im Wesentlichen aus Terpentin und Kolophonium zusammensetzt. Feinste Kanäle durchziehen den Baum und transportieren den zähen Saft durch die Pflanze. Dabei fallen die Unterschiede bei der Beschaffenheit der Harze ebenso ins Auge, wie die Unterschiedlichkeit der Baumarten.

Baumharze dienen den Bäumen als Schutz bei Verletzungen und vor Insekten und können unterschiedliche Bestandteile aufweisen. In ätherischen Ölen gelöste Harze werden als Balsam bezeichnet. Harze, die in Emulsionen austreten und anschließend trocknen, nennt man Gummiharze.

Je nach Eigenschaft und Beschaffenheit kommen die Harze in den unterschiedlichsten Bereichen und Industriezweigen zur Anwendung. So finden sich Anteile von Baumharzen beispielsweise in Klebstoffen von Pflastern, Lacken und Reinigungsmitteln. Zu Firnis, einem schnell trocknenden Öl, weiterverarbeitet, fand Baumharz bereits seit Jahrhunderten als Schutzschicht auf Ölgemälden Verwendung.

Weihrauch 

Weihrauch Harz

Bild: Weihrauch Harz

Bereits in der Antike galt Weihrauch bei der ägyptischen Oberschicht aufgrund seiner antibakteriellen Wirkstoffe als wichtiger Bestandteil bei der Konservierung von Leichnamen. Um eine dauerhafte Mumifizierung zu gewährleisten, war die Verwendung von Weihrauch daher unentbehrlich und wurde zumeist aus benachbarten Ländern wie Äthiopien, Somalia oder dem Jemen importiert.

Der geheimnisvolle Bernstein

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Bild: Bernstein gefunden am Strand

Auch wenn geschliffener Bernstein das Aussehen eines Steines hat: Der Schein trügt. Denn bei Bernstein handelt es sich nicht um einen Edelstein, sondern um versteinertes Harz, welches speziell an den Stränden der Ostsee zu finden ist. Faszination übt Bernstein nicht allein aufgrund seines goldgelben Scheins auf den Betrachter aus. Insbesondere die Einschlüsse von Insekten und längst ausgestorbener Pflanzen aus grauer Vorzeit versetzen viele Menschen immer wieder ins Staunen. Auf seine ganz eigene Weise ermöglicht der geheimnisvolle Bernstein eine Art Zeitreise in die erdgeschichtliche Vergangenheit.

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Bild: Bernstein mit Inklusen 

Einheimische Harze und ihre Verwendung

Nutzen und Wirkung einheimischer Baumharze sind ebenfalls mit einer langen Tradition verbunden. Bei einem Waldspaziergang fallen hier vor allem Kiefern und Fichten ins Auge. Auch die Europäische Lärche gehört zu den Harz produzierenden Nadelbäumen.

Amberbaum

Amberbaum

Bild: Amberbaum

Der einzige Laubbaum, der in unseren Breiten wächst und zu den harzführenden Laubbäumen zählt, ist der bekannte Amberbaum. Sein Harz wird Styrax genannt, gilt als begehrtes Räucherwerk, sollte jedoch nicht mit dem Harz des Storaxbaums verwechselt werden.

Amberbaum-Samen-und-Blaetter

Bild: Amberbaum Samen und Blätter

Fichtenharz und seine Anwendungsmöglichkeiten

Fichtenharz Wildsammlung

Bild: Fichtenharz

- Fichtenharz als Arzneimittel

Bereits der bekannte Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus erkannte die gesundheitsfördernden Wirkstoffe, die dem Fichtenharz innewohnen. Hauptsächlich aufgrund seiner blutstillenden Eigenschaften bekannt, spielte das Fichtenharz vor allem im Alpenraum traditionell eine wichtige Rolle und wurde als Waldweihrauch oder Fichtenpech bezeichnet. Es galt lange Zeit als unentbehrlich in jeder sorgfältig ausgestatteten Hausapotheke.

Die Bedeutung von Fichtenharz als Heilmittel beschränkt sich nicht allein auf seine adstringierende und antibakterielle Wirkung. Harzsalben lindern sowohl Gelenkbeschwerden als auch Muskelverspannungen und kommen daher häufig bei der Behandlung von Gicht und rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz.

Harzsalben lassen sich unter Verwendung weniger Zutaten sogar selbst herstellen. Durch den hohen Anteil ätherischer Öle trägt das Fichtenharz auch zur Linderung von Erkältungsbeschwerden wie Halsschmerzen und Hustenreiz bei.

Wir haben für euch ein Video gedreht, damit Ihr eure Pechsalbe selber herstellen könnt: 

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Entzündungen der Mundschleimhaut oder im Rachenbereich können mithilfe einer Tinktur aus Fichtenharz behandelt werden, die sich ebenfalls schnell und einfach selbst mischen lässt. Während der kalten Jahreszeit schützt ein Balsam aus Fichtenharz außerdem die sensiblen Pfoten von Hund und Katze. Wie eine Schutzschicht legt sich das Harz über die Haut und bewahrt sie so vor Verletzungen durch Frost und Splitt.

Bienenwachstücher mit Harzen selber herstellen

Blogartikel: Wachstuch selbst herstellen mit natürlichem Baumharz

- Baumharz als Räucherwerk

Baumharz zum Raeuchern

Bild: Harz Räuchern

Ebenso wie Dufthölzer und Kräuter wurden auch Harze seit jeher verräuchert. Dies kann aus den unterschiedlichsten Gründen geschehen. Sicherlich erzeugt der Rauch von Fichtenharz eine angenehme und wohlige Atmosphäre. Doch darüber hinaus wurde Räucherwerk vor allem zu religiösen und spirituellen Zwecken verwendet.

Duftstoffe üben einen erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung und damit auch auf das Bewusstsein aus. Räuchern erfordert Ruhe und Gelassenheit und fördert daher gezielt die körperliche und geistige Entspannung. Abhängig von der Sorte des Harzes können unterschiedliche Effekte erzielt werden.

Fichtenharz ist bekannt für seine reinigende, belebende und somit stärkende Wirkung. Aus diesem Grund bietet es sich gerade in der Erkältungszeit an, mithilfe von Rauch aus Fichtenharz die Raumluft zu desinfizieren.

Obwohl hauptsächlich aus der Weihnachtszeit bekannt, eignet sich das Räuchern von Tannenharz ebenfalls zur Desinfektion. Der würzige Duft ist allerdings weit mehr als ein antiseptisches Heilmittel, denn Tannenharz erzielt als Räucherwerk einen wohltuenden und stimmungsaufhellenden Effekt.

Lärchenharz

Laerchenharz frisch

Bild: Frisches Lärchenharz

Lärchenharz gilt als besonders wertvoll. Ihm wird ein ausgesprochen wirkungsvoller und gleichzeitig sanfter Duft nachgesagt, der wiederum vor allem bei Erkältungssymptomen wie verstopfter Nase und Atemwegsbeschwerden seine lindernde Kraft entfaltet.

Die Gewinnung von Baumharz

Prinzipiell ist es möglich, das gesamte Jahr über Baumharz zu sammeln. Allerdings lässt es sich während der Herbst- und Winterzeit leichter entdecken, da der Wald in den kühlen Monaten weniger bewachsen ist. Zudem ist die Brutzeit vorüber, was die Gefahr von Störungen für die Tiere des Waldes minimiert. Allerdings sollte der Waldbesitzer vor dem Sammeln informiert werden, um möglichen Missverständnissen vorzubeugen.

Am besten eignen sich kleine Messer mit geschwungener Klinge, um das Harz vorsichtig vom Baumstamm abzulösen. Gläser mit Schraubverschlüssen dienen beim Sammeln von Harz als praktische Begleiter, in denen sich das gesammelte Harz einfach und ohne auszulaufen transportieren lässt.

Harz Sammeln

Bild: Frisches Harz mit einem Stock Sammeln

Die Verletzungen der Baumrinde, aus welchen das Harz austritt, sollten aufmerksam und mit größter Sorgfalt behandelt werden. Die Versiegelung von Rissen und Wunden darf auf keinen Fall geöffnet werden, um das Eindringen von Pilzen und Keimen zu vermeiden und den Baum nicht in seinem Selbstheilungsprozess zu stören. Grundsätzlich ist es ratsam, kleine Mengen von mehreren Bäumen zu sammeln. Alternativ können auch Harzperlen, die oft an Zapfen zu finden sind, gesammelt werden.

Bei der Wahl der richtigen Sammel-Ausrüstung sollte darauf geachtet werden, dass diese sich nur sehr schwer wieder reinigen lässt. Deswegen ist es vorteilhaft, Behälter und Messer zu verwenden, die für den normalen Küchenalltag entbehrlich sind. Andernfalls hilft das Gefrierfach weiter, da gefrorenes Harz deutlich leichter zu entfernen ist. Harz ist fettlöslich, weswegen Pflanzenöl beim Säubern von Händen und Utensilien hilft.

Nach dem Sammeln wird das Harz von Schmutzresten befreit und an einem warmen, gut durchlüfteten Ort getrocknet. Das Harz selbst wird nicht von Schimmel befallen, allerdings können sich Sporen in Pflanzenrückständen ansiedeln, was an feuchten Lagerorten zur Schimmelbildung führen kann.

Warum sollte man Harz lieber selbst sammeln und nicht auf industriell verarbeitetes Harz zurückgreifen?

Industrielle Harzgewinnung findet zumeist in größeren Betrieben statt, die eigens zur Harzgewinnung Bäume heranziehen. Diese Form der Harzgewinnung wird als Pechen bezeichnet und erfolgt durch gezieltes Verletzen der Baumrinde, indem bis zu einem Drittel des gesamten Baumumfangs entfernt wird. Auf diese Weise stirbt der Baum zwar nicht, bietet jedoch eine große Angriffsfläche für Schädlinge und Pilzbefall. Daher ist es empfehlenswert, beim Kauf von Baumharz darauf zu achten, dass dieses durch Wildsammlung gewonnen wurde.

Pechen-Baumharz

Bild: Pechen, Absichtlich verletzte Bäume

Wer sicherstellen möchte, dass Bäume nicht absichtlich verletzt wurden, sollte sich am besten selbst im Wald umschauen: Denn jeder Waldgang öffnet dem aufmerksamen Spaziergänger die Augen für die kleinen Geschenke, die uns die Bäume ganz freiwillig zuteilwerden lassen!

Fichtenharz-Wildsammlung

Bild: Fichtenharz, natürlicher austritt

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